Krimiblog-Archiv

2005 – 2010

Monat: Juli, 2008

Omphaloskepsis

Der selbsternannte Krimipapst, Eure ehrwürdige Dreifaltigkeit dpr, nennt mich Krimipapst der Herzen. Ja, ja, ich bin halt eine echte Harmoniesau.

Drüben beim Literatur-Café hingegen fragt man sich, wie man Bibliothekar und RTL-Redakteur sein kann. Man kann. Steht ja schließlich auch in der „Myself“.

Die üblichen Verdächtigen

Frisch eingetrudelt: Die Vorschau auf das zweite Hamburger Krimifestival, das vom 2. bis 9. November 2008 stattfinden soll. Die Liste der eingeladenen Autoren und Autorinnen setzt – nach einer ersten Durchsicht – einmal mehr auf viel Mainstream, wenig literarische Qualität und viel Hamburger Grimmi-Gedöns. Laut Pressemitteilung sollen unter anderem dabei sein: James Sallis, Håkan Nesser, Richard Stark, Anne Holt, Unni Lindell, Deon Meyer und Simon Beckett. Bei der Besetzung der nationalen und lokalen Autorinnen wird es zunehmend düsterer: Ulrich Wickert, Friedrich Ani, Carmen Korn, Frank Göhre, Petra Oelker, Robert Brack und Friedrich Dönhoff. Die üblichen Verdächtigen halt. Das üben wir bitte noch mal, liebe Programmmacher.

In eigener Sache: WordPress 2.6.

Wie immer nach einem Upgrade hier der Hinweis, dass krimiblog.de seit ein paar Minuten auf Wordpress 2.6 läuft. Sympathisch an Wordpress ist ja unter anderem, dass die Jungs ihre Versionen nach Jazz-Musikern benennen, das aktuelle wurde nach McCoy Tyner benannt. Falls Ihr irgendwelche Fehler entdeckt oder Kommentar nicht abschicken könnt, würde ich mich über eine E-Mail freuen.
Vielen Dank.

Jobtausch: Feuilletonredakteur wird Blogger und umgekehrt

Lieber Hendrik Werner,

Sie fragen mich in Ihrem Kommentar, ob ich „ernstlich“ ihren „job machen“ will? Ja, will ich. Damit der Schrecken auf beiden Seiten nicht zu groß wird, könnten wir uns ja auf einen Jobtausch für – sagen wir mal – eine Woche einigen. Sie bloggen hier, ich tue das, was Sie tagtäglich in ihrem Beruf als Journalist tun. Was Kai Diekmann und Bascha Mika können, können wir doch schon lange. Dem Verständnis von Bloggern und Journalisten untereinander wird es bestimmt gut tun.

In der Hoffnung auf eine positive Zusage verbleibe ich
Ihr
Ludger Menke

Krimirezensionen für Blogs: Textarbeit 1

Diesen brutalen Angriff habe ich erwartet: Seine ehrwürdige Dreifaltigkeit dpr (Krimiautor, Krimikritiker und Krimiblogger) unterstellt mir, ich würde meine Leser einschläfern. Wasser predigen, aber selbst Wein trinken. Ha! Wie heißt sein Erstling gleich noch mal? „Menschenfreunde“ – davon kann bei ihm keine Rede sein. Nein, meine Lieben, der wahre Krimi- und Menschenfreund sitzt hier und leistet Grundlagenarbeit. Dazu ist so einer wie der, der sich seit kurzem ja zu den Edelfedern des kriminalistischen Kritikgewerbes zählt, natürlich nicht bereit. Hier bei krimiblog.de wird noch echte Lese- und Textarbeit geleistet. Dort hingegen wird über nicht belegte Fakten (1.859 Bände über Postkolonialismus – völlig irreführend, diese Ausage) schwadroniert, dass man vor lauter Nebel, der geworfen wird, die Kernaussagen übersieht.

Krimirezensionen für Blogs: Die Kunst des Beobachtens

Beginnen wir mit einer der sieben Todsünden: Invidia – der Neid. Ein beliebtes Mordmotiv in Krimis. Bei mir ist es sogar blanker Neid. Da geht vor Jahren einer daher und nennt sein – zugegeben sehr gutes Blog – → „Watching the Detectives“. Ein Blog, in dem Dieter Paul Rudolph die, wenn man den Namen wörtlich nimmt, „Detektive beobachtet“. Damit liefert er schon im Namen seines Blogs einen entscheidenden Hinweis auf die Tätigkeit eines Rezensenten: Er beobachtet. Er beobachtet kritisch. Als Krimirezensent beobachtet er kritisch die Detektive. Dieser schlichte Satz gibt vor, welche drei wichtigen Eigenschaften einen Krimirezensenten ausmachen: Er beobachtet, er ist kritisch und er hat sich auf den Gegenstand seiner kritischen Beobachtung mehr oder weniger festgelegt – die Detektive, die wir hier einmal stellvertretend für die Kriminalromane ansehen wollen. Das diese Beobachtung „kritisch“ zu erfolgen hat, steht natürlich nicht im Titel. Dennoch erschließt sie sich daraus – aber dazu in der nächsten Folge mehr.

Die neue Doku-Soap: Krimirezensionen für Blogs

dpr ist schuld. Sein aktueller und lesenswerter Eintrag zum Thema → „Berufsbild: Krimirezensent“ hat mich auf die Idee gebracht. Nach der legendäre Reihe „Bloggen für Krimiautoren – Tote, Tags und Technik“ in drei Teilen – gefördert von der „Arbeitsgemeinschaft Regionaler Grimmi-Autorinnen und –Autoren in der EU“ – kurz ARGE – folgt nun „Krimirezensionen für Blogs – eine mehrteilige Doku-Soap für goldige Krimirezensionen in der Blogospähre“.

Wer war’s?

Es gibt einen Satz in Thomas Wörtches aktueller Glosse „Was hilft, viele Bücher zu verkaufen?“, der das akute Dilemma der deutschen Krimiwelt auf den Punkt bringt:

»Denn die hunderten von „neuen“ deutschen Autorinnen und Autoren aus dem Regionalsektor, die Retro-Manie, die Kombi-Manie (…) die ganze wahnsinnige Überproduktion funktioniert ja u.a. auch, weil die qualitativen Warnsysteme außer Kraft sind.«

Das ist ein sehr wahrer Satz. Bis dieser Satz im Text fällt, folgt man zunächst ausführlichen Erläuterungen über die Werbung und Ausrichtung von Texten ans nebulöse Zielpublikum, das ja leider oft nicht so will, wie es Verlage, Autoren und Kritiker gerne hätten. Nun wollen diese vielen Sätze eigentlich nur eines sagen: Werbung ist Werbung. Und sie tut das, was Werbung immer tut – potentielle Kunden, in diesem Fall Leser und Leserinnen, umwerben, zum Kauf des Produktes – hier der „Krimi“ – zu animieren. Der Erkenntnisgewinn hält sich bei diesen langen Ausführungen leider in Grenzen.

Der Tod braucht seine Zeit

Es ist traurig: Niederländische Medien berichteten bereits am 7. Juli 2008 darüber, das der niederländische Autor Janwillem van de Wetering am 4. Juli 2008 in Maine (USA), gestorben ist. Der → Rowohlt-Verlag, in dem nur noch wenige Bücher des Autoren lieferbar sind, vermeldet den Tod unter den News angeblich am 7. Juli – allerdings konnte ich, als ich meinen Eintrag am 8. Juli verfasst, dort noch nichts finden. Und was ist mit all den deutschen Qualitätsmedien? Sie melden exakt heute, drei Tage später, den Tod und vermutlich auch nur, weil die dpa heute um 12:05 die erste Meldung rausgehauen hat.

Streifzug: Zahlen, viktorianische Professoren und lebenswichtige Autoren

→ Anne Chaplet und → Tobias Gohlisweisen auf eine Meldung der FAZ hin, wonach die Warengruppe „Krimis/Spannung“ im Jahr 2007 eine Umsatzsteigerung von 4,7 Prozent vorweisen kann. Innerhalb der Warengruppe Belletristik lag der Anteil von Krimis bei 25,6 Prozent. Ein weiterer Grund zur Freude: Anne Chaplet findet meine letzte Mankell-Rezension „lesenswert“. Dafür bedanke ich mich artig und aufrichtig.